1876 wurde die auf der linken Ruhrseite verlaufende Bahnlinie von Kettwig nach Mülheim eröffnet. Nur die beiden Endbahnhöfe lagen auf der rechten Ruhrseite. In Styrum und Kettwig wurden vom Typ her zwei verschiedene Brückenkonstruktionen errichtet.

Die hier vorgestellte Styrumer Ruhrbrücke besteht aus je 5 steinernen Vorflutbrücken. Jeder Bogen hat eine Spannweite von ca. 20 Metern. Hieraus ergibt sich mit den zwei je 45 m langen Stahlkonstruktionen eine Länge von rund 300 Metern. Das H0-Modell der Eisenbahnfreunde Mülheim an der Ruhr e.V. ist exakt maßstäblich nachgebaut worden. Verwendet wurden in erster Linie Auhagen-Mauerwerkplatten, die auf einem stabilen Holzunterbau ruhen. Die Stahlkonstruktion besteht aus 6 Kibri Bogenbrücken. Diese wurden in ihre Einzelteile zersägt, verlängert und nach Bauplänen und Fotos des Originals wieder zusammengeklebt. Anschließend erhielt die Konstruktion eine neue Airbrush-Lackierung. Vollmer Geländer verhindern den Sturz in die Fluten. Das Flußbett wurde nach dem Modellieren mit mehreren Schichten Gießharz ausgegossen. Das die 1. Vorflutbrücke unterquerende Gleis gehört zur Mülheimer Hafenbahn und führt zur Drahtseilerei Kocks. Der kleine, auf der rechten Seite liegende Durchbruch wurde für die Anschlußgleise des Stahlwerkes aufgebrochen und durch eine Stahlbrücke ersetzt. Aus optischen Gründen wurde der erste Bauzustand dargestellt, zumal das ehemalige Stahlwerk im Modell wohl kaum nachzubauen ist.


Das Original

Die gesamte Ruhrtalbahn wurde bereits in der Bauphase für den zweigleisigen Betrieb vorgesehen. Alle Brücken, Dämme und Unterführungen wurde ausreichend breit ausgelegt. Trotzdem wurde der Betrieb zunächst nur eingleisig aufgenommen. Erst um die Jahrhundertwende wurde das zweite Streckengleis verlegt. Zu diesem Zeitpunkt wurden auch die neuen Stahlkonstruktionen in Kettwig und Styrum eingebaut. Bis 1945 lief der Fahrbetrieb ohne Probleme ab. Von direkten Kriegsschäden blieb die Ruhrtalbahn verschont, was aber nicht heißt, daß es keine Schäden gab. Deutsche Soldaten sprengten die beiden Ruhrbrücken noch in den letzten Kriegstagen. Erst 1953/54 konnte die Styrumer Brücke wieder eingleisig in Betrieb gehen. Da die Kettwiger Brücke nicht wieder aufgebaut wurde, verlor die Bahn den Status einer zweigleisigen Hauptbahn. Das 2. Gleis wurde in weiten Streckenabschnitten demontiert. Kurioserweise wurde nur das in der Schiffahrtsstraße liegende Teil verschrottet, das andere zerstörte Brückenteil wurde nur aus dem Flußbett gehoben und auf die Widerlager aufgesetzt. Genutzt wurde dieser Teil nie. Mit Stillegung der Bahn 1968 verschwand auch die Brücke wieder. Versuche die Mülheimer Hafenbahn an das Styrumer Werkbahnnetz anzuschließen scheiterten ebenso wie Versuche die landschaftlich reizvolle Strecke als Museumsbahn zu erhalten. Erst im Rahmen der Landesgartenschau wurde die Strecke als Fuß- und Radweg aktiviert. Fast alle Brücken entstanden auf ihren alten Widerlagern neu. Bei der Styrumer Ruhrbrücke wurde nur der Strompfeiler abgebrochen. Das neue Bauwerk überspannt die Ruhr ohne weiter Stütze.

Luftbild der Ruhrbrücke Styrum
Ruhrbrücke Styrum (für größere Ansicht Bild anklicken)

Der Fahrbetrieb

Von Broich kommend war an der Bahnhofsausfahrt ein Stellwerk. Dieses sicherte die Bahnhofsausfahrt, den Güterbahnhof und die Brückenzufahrt. Direkt hinter der Brücke befand sich das nächste Stellwerk. Hier teilte sich die Strecke. Personenzüge zweigten nach rechts zum Bahnhof Mülheim (heute "West") und Güterzüge nach links in den Bahnhof Styrum ab. Mit Aufgabe des Astes nach Mülheim um 1910 wurde auch das Stellwerk abgebrochen. Nun war das Stellwerk in Styrum für die Ein- und Ausfahrt zuständig.

Neben den zwischen Styrum und Kettwig pendelnden Personenzügen, die wegen des Ausflugsverkehrs am Wochenende verstärkt werden mußten, lebte die Ruhrtalbahn vom Güterverkehr. Von Styrum über Broich und Speldorf erreichte man die Rheinische Bahn oder über Kettwig die Zechen am Baldeneysee und über Velbert die Steinbrüche im Bergischen Land. So kam es, daß viele Durchgangsgüterzüge das Bild belebten.

Weitere Informationen enthält die Broschüre Die Geschichte der Ruhrtalbahn ,die von den Eisenbahnfreunden Mülheim an der Ruhr e.V. herausgegeben wurde.

Das Modell der Ruhrbrücke Styrum ist nicht in erster Linie als Diorama gedacht. Es wurde im Rahmen unserer Segmentanlage der Ruhrtalbahn gebaut.
Wir planen zur Zeit die nächsten vier Segmente, die den Bahnhof Broich mit der Ruhrbrücke verbinden.